Bericht von Martin

Ford B, 1932, 5 Window Coupe, Hot Rod

"50er Jahre Ami-Schlitten sind cool." Diese Erkenntnis machte ich schon in meiner Lehrzeit. Aber ich selbst wollte nicht so ein Auto besitzen. Für mich waren damals andere Dinge wichtiger... (.... Miete und Rechnungen bezahlen, was zu essen kaufen zu können, meine Kreidler (später Auto) zu betanken usw). Ungefähr im 2. Lehrjahr machte mir der Chef das Angebot jeden Werk-Tag und jeden Samstag (gering bezahlte) Überstunden machen zu dürfen (was ich dankend annahm). So konnte ich mir dann sogar eines Tages von einem Schrottplatz vor den Toren Hannovers (inzwischen steht an der Stelle ein dickes Hotel) einen (mit „leichtem“ Unfallschaden) 74er Chevrolet Camaro (als „Zweitwagen“) kaufen (mein erster „Ami“!). Tja, mag sein, daß ich damals „stolz wie Oscar“ war. Aber anmelden konnte ich den nicht.... (die Steuern waren zu teuer). Aber ab und zu auf roter Nr. fahren war schon mal drin (damals war das rote Kennzeichen glaube ich noch für 5 Tage gültig. Es war viel billiger und problemloser zu bekommen als heute). Das liegt nun alles viele Jahre zurück. Inzwischen hatte ich viele Alltagsfahrzeuge.

Im August 1994 (Auf den STREET Magazin Wheels Nats in Hannover) bekam ich den „Rod-Virus“. Es kamen schlaflose Nächte... Ich erträumte mir ein 32er Ford 5W-Coupe mit V8-Motor und gechopter (und nichtrostender) Kunststoffkarosserie. Vor meinem geistigen Auge entstand der Rod, der mit vorne geduckter Haltung, und einer wahrscheinlich gleich „günstigen“ Aerodynamik wie mein Schlafzimmerschrank, beim Fahren tapfer gegen den Luftwiderstand ankämpfte, ... wie ein kleiner Rebell - (der den aussichtslosen Kampf, die Zeit anhalten zu wollen, schon vor Jahrzehnten hoffnungslos verloren hatte). Das Auto dann ohne Trittbretter usw... in gelb... so wie der Rod in "American Graffiti“... ! (Der Film spielt 1962, mit schönen 50er Jahre US-Cars, und entsprechender Musik). (Die fünfziger Jahre an sich, hatten es mir (ohne erkennbaren Grund und ohne Schlüsselerlebnis) schon vor meiner Lehrzeit angetan... - im Prinzip schon als Kind... von dem Zeitpunkt an, als ich auch was anderes im Fernsehen schauen durfte als immer nur Sandmänchen.. (und somit meinen geistigen Horizont erweitern konnte).
Zurück zum erträumten Hot Rod:
Wenn es still war, hatte ich wieder meinen ersten 5,7 Liter V8 Motor, aus meiner Lehrzeit im Ohr. ... so einen Motor im relativ leichten Rod....?! ... Das wär´ cool!

Ich trat der GSRA (damals noch GRO) bei, verkaufte mein altes Mercedes-Coupe und (mit Verlust - aber egal) meinen halbfertigen Geländewagen, (und 2 Jahre später auch noch meine schöne ZZR 1100), suchte mir (für die folgenden 4 Jahre und 8 Monate) noch eine zweite ... (zeitweise auch zusätzlich noch dritte..) Arbeitsstelle.
(Kommt einem bekannt vor, oder? .... ohne Moos nix los und ohne Knete keine Fete..!)

Im Januar 1996 ging es los. Da hatte ich dann endlich die ersten Teile. Der Rahmen stammt eigentlich von einem 55er Framo, der aber so geändert wurde (vom Fachbetrieb), dass er von der Seite so aussieht wie ein 32er Ford-Rahmen. Unter dem Auto (was man so nicht sieht) ist er durch zusätzliche Quertraversen verstärkt und zudem geboxt. Die Aufnahmen für die Achsen und den Chevy-SB ließ ich auch von dem Fachbetrieb machen. Ich selbst habe den Rahmen dann noch an einigen Stellen geändert, z.B. die Aufnahmen für die Karosserie, und den Bereich für die Starterbatterie, sodaß ich die dann (wegen des zu erwartenden Platzmangels im Motorraum) im Rahmen zu ca 80% versenken konnte. Alles zu beschreiben wird zu umfangreich. In Kurzform:

Die Hinterachse stammt aus einem Jaguar. Den (V8) Motor habe ich aus einem 79er Chevy Malibu. Die Vorderachse (Ford) habe ich vom Schrottplatz (der leider inzwischen ebenfalls zugemacht hat). Die Karosserie ist aus Kunststoff, und wurde wahrscheinlich in England hergestellt. Kühlermaske, Insert und Haube (alles Blech) sind aus USA.
Der Aufbau ging (erst mal) bis Mitte 1998 (und dauerte länger ... und wurde teurer ... als ich dachte). Ich habe eigentlich alles alleine (außer die Abschließende Lackierung) in einer großen Garage gemacht (ohne Hebebühne oder Grube).
Nach den Jahren des Aufbaus, kamen die Anmeldeprozeduren (mit diversen Tüv - Untersuchungen), und erfolgreich absolvierte Probefahrten.
Im darauffolgendem Winter (98-99) habe ich dann noch einige Kleinigkeiten nachgebessert bzw geändert. Man kann sagen, dass der Aufbau an sich etwa 3 Jahre dauerte. Ich habe mit dem Fahrzeug auch schon Pokale gewonnen.
Am Rod ist trotzdem immer irgendwas zu tun... (oder zu verbessern). Zum Beispiel habe ich später nicht nur, noch andere Rücklichter und Scheinwerfer (beides 50er Jahre), und andere Felgen (Modelle von 1942) verbaut, sondern mir auch noch einen 73er Chevy-Motor mit 400cui (6,6 Liter Hubraum) aufgebaut..
(und gleichzeitig noch "verbessert" .. (283er Opel Zylinderköpfe (64 ccm Brennräume, Ventile 1,94 bzw 1,5 Zoll groß), anderere Nockenwelle, Vergaser, Ansaugbrücke, Zündung usw), der mir nun schon seit über 15.000 km Freunde macht. Es wäre zu umfangreich alles erzählen zu wollen. Mein Rod hat inzwischen ganz gute Fahrleistungen, ist aber laut und unbequem, und man kann durch die kleinen Scheiben nicht besonders gut heraus sehen. Aber das alles ist ja auch gerade das „geile“ daran... das ist das, was einen Hot-Rod ausmacht. Genau so muß es sein.
Ihr seht: man muß nicht reich sein, um so ein Projekt durchzuziehen. Man muß es „nur“ schaffen, ein paar Jahre auf alles andere was Geld oder Zeit (außer Arbeitstellen) kosten könnte, zu verzichten.
(Aber unter uns: noch mal würde ich das auch nicht machen!)

CU L8ter Alligator

 

 

Bilder vom Aufbau des Rods ... -->

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