Bericht von Martin
Mercedes Museum in Stuttgart
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Am 2. Juli
2009 war ich mit Bernie im Mercedes Museum in Stuttgart. Das Porsche
Museum ist in unmittelbarer Nähe, und wir überlegten bei unserer Planung
zunächst dort hin zu fahren. Aber da wir beide uns eher für
alte als für besonders schnelle Wagen interessieren, und Mercedes eine
viel längere Tradition hat, fuhren wir zum Mercedes-Museum. Wir wurden
nicht enttäuscht. Karl Benz, Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach
sind die Erfinder des Automobils. 1885 schaffen Benz in Mannheim sowie Daimler
und Maybach in Cannstatt mit dem Bau der ersten Benzinmotoren die wichtigste
Grundlage der individuellen Mobilität. 1886 vollendet Karl Benz seinen
Patent-Motorwagen, während Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach eine Kutsche
motorisieren. Damit beginnt der Aufstieg des Automobils und seiner Erfinder.
Daimler und Benz gründen eigene Firmen, die expandieren und zu Konkurrenten
werden. Und obwohl beide Erfinder nur rund 100 Kilometer voneinander entfernt
arbeiten, lernen sie sich offenbar nie kennen.
Das imposante, architektonisch interessante Gebäude ist ansich schon beeindruckend. Die Aussenfassade hat 1800 dreieckige unterschiedliche Glasscheiben. Eröffnet wurde es 2006 auf einer Grundfläche von 3500 m² / 4800 m². Es ist fast 48 Meter hoch, und hat auf 9 Ebenen eine Ausstellungsfläche von ca 16500 m². Innen hat es, unter anderem stützlose Räume, die über 30 Meter lang sind, und deren Deckenkonstruktion dennnoch mehrere Lastkraftwagen bzw Busse tragen können.
Nachdem wir reinkamen, mußten wir erstmal durch ein großes Foyer, wo man alles mögliche an Mercedes-Sachen kaufen kann, die nicht dazu gedacht sind, an einem Mercedes verbaut zu werden (Modellautos, Mützen, Literatur usw - alles von Mercedes). Am Ende stand ein Rennauto. Im Fernsehen sehen die gar nicht sooo flach aus. Ob das überhaupt ein echtes, zumindest maßstabgerechtes ist?!

Sooo flach? - Ist der Rennwagen maßstabsgerecht? (oder gar echt?)
Wir fuhren die Rolltreppe hinauf und waren bei den Kassen. Am anderen Ende der Halle wurden wir mit je einem Gerät ausgestattet, was wir uns umhängen konnten. Über die daran angeschloßenen Kopfhörer konnte man sich, wenn man wollte, auf Knopfdruck Details zu den jeweiligen Exponaten anhören. Und zwar meistens jeweils 4 verschiedene Texte. Die gewünschte Sprache wurde von der freundlichen Dame am Ausgabeschalter voreingestellt. Wir fuhren, so wie es uns gesagt wurde, ganz nach oben in das (von der Kassenebene ausgehend) 8. Obergeschoß.
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Während der Fahrt mit dem gläsernen Aufzug nach oben, bietet uns die Aussicht auf die einzelnen Etagen - mit den teilweise in der Ferne schon zu sehenden Ausstellungsstücken - einen kleinen Vorgeschmack auf den bevorstehenden Rundgang.
Als wir oben ankamen und die Aufzugstür auf ging, standen wir erstmal vor einem "ausgestopften" Pferd. Dazu passend kam aktustisch Pferdehuf-Geklappere und eine kleine gesprochene Einführung in eine Epoche, in der es noch keine Automobile gab. Entsprechende Dioramen - eingelassen in die Wand halfen, die Umstände von damals zu veranschaulichen.

Bernie am Beginn unseres Rundgangs mit diesem Pferd, was im Prinzip den Anfang des Rundgangs markiert.
Schiff, Eisenbahn, Fahrrad, Pferdefuhrwerk und Kutsche sind die Fahrzeuge in der Zeit vor dem Automobil. Sie verändern das Verhältnis der Menschen zu Raum und Zeit nachhaltig. Auf dem Wasser stellt der Raddampfer eine Verkehrsrevolution dar, weil er aus eigener Kraft die Flüsse in beide Richtungen befahren kann. Auf dem Festland ermöglicht die Eisenbahn erstmals für alle Klassen der Bevölkerung Reisen über große Distanzen. Sie verbindet Dörfer mit Metropolen und Regionen miteinander. Das Fahrrad trägt dazu bei, dass in den 1870er Jahren der Individualverkehr zunimmt. Mit dem Fahrrad kann auch der einfache Mann sein Lebensumfeld dauerhaft ausweiten. Pferd und Wagen schließlich, haben einen doppelten Nutzen: als Pferdefuhrwerk und Postkutsche helfen sie beim Warentransport und der Personenbeförderung. Als prunkvolle Kutsche und repräsentatives Reittier sind sie Statussymbole der Oberschicht, bevor das Automobil sie ablöst.


Nachbildung des Stuttgarter Bahnhofs um 1890. Mitte des 19. Jahrhunderts markiert die Eisenbahn den Beginn der Massenmobilität. Die erste Bahnstrecke der Welt wird 1825 in Großbritannien in Betrieb genommen. Zehn Jahre später entsteht zwischen Nürnberg und Fürth die erste Zugverbindung in Deutschland. Ende des 19. Jahrhunderts gehört der Bahnhof wie hier in Stuttgart fest zum Stadtbild.
Neckar bei Heidelberg gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Kettenschleppschiffe verkehren seit 1878 auf dem Neckar, hier bei Heidelberg. Sie ziehen sich an einer 113 Kilometer langen Kette, die auf dem Grund des Flusses verankert ist, flussaufwärts und transportieren Kohle, Getreide, Eisen- und Kolonialwaren bis nach Heilbronn. Flussabwärts, in Richtung Mannheim, sind die Schiffe mit Koch- und Steinsalz, Gips, Zement, Häuten und Steinen beladen.
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Wir gingen weiter an der Wand entlang, durch die Halle, in deren Mitte zwei Fahrzeuge stehen, die wohl die beiden ersten Automobile der Welt sind: Der dreirädrige "Patent-Motorwagen" ("Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb") von Karl Benz und die "Motorkutsche" von Gottlieb Daimler aus Cannstatt. Beide Fahrzeuge sind von 1886. Mit ihnen verwirklichen Benz und Daimler unabhängig voneinander ihre Vision: den Traum von einem Fahrzeug, dessen Antriebskraft nicht nachlässt. Voraussetzung dafür ist ein Motor. Dieser muß klein und leicht genug sein, um in einem Wagen Platz zu finden. Und er muß stark genug sein, um das Fahrzeug anzutreiben. Doch solch ein Motor mußte erst erfunden werden. Das taten Daimler und sein Mitarbeiter Wilhelm Maybach 1883 mit dem ersten "schnelllaufenden" Benzinmotor der Welt. Dessen Weiterentwicklung, die sogennate "Standuhr" bauten sie in ganz unterschiedliche Fahrzeuge ein.
Das Ende der Halle mündet in einen Gang, an dessen Rand viele weitere Exponate aufstellt sind. Das erste ist der Daimler Reitwagen von 1885. Dieser diente Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach als früher Versuchsträger für ihren oben genannten "kleinen" und "schnelllaufenden" Verbrennungsmotor, die sogenannte Standuhr. Der Reitwagen, der hier als Nachbau steht, ist damit nicht nur das älteste Fahrzeug mit Verbrennungsmotor, sondern kann auch als das erste Motorrad der Welt angesehen werden. Carl Benz hingegen präsentiert mit seinem Patent-Motorwagen das erste Fahrzeug, das mit Fahrgestell und Motor ganzheitlich als Automobil konzipiert worden ist.

Nachbau des Daimler Reitwagens von 1885, 264 ccm (16 cui), 0,5 PS (0,4 KW) bei 600 U/min, Höchstgeschwindigkeit : 12 km/h
Eine Schmalspurlokomotive, wie die unten gezeigte, mit Daimler Zweizylinder-V-Motor, treibt 1892 die Ausstellungsbahn auf dem Wiener Prater an. Das ausgestellte Exemplar ist als Feldbahnlokomotive bis 1918 im Einsatz.

Schmalspurlokomotive. Motor: V2 1902 cm³, 4,6 PS (3,4 kW) bei 580 U/min, Höchstgeschwindigkeit: 16 km/h
Vom Motor-Velociped, auch "Velo" genannt, kann Benz zwischen 1894 und 1901 in allen Variationen insgesamt 1200 Stück verkaufen. Es ist nicht nur der erste Kleinwagen, sondern auch das erste in Großserie produzierte Fahrzeug der Welt.

1894 - 1901 Motor-Velociped. Motor: 1045 cm³, 1,1 kW, bei 450 U/min, Höchstgeschwindigkeit: 20 km/h
"Das erste moderne Automobil" Mit seinem neuartigem Konzept unterscheidet sich der erste Mercedes von allen anderen Automobilen. Die wichtigsten Neuerungen sind der leichte und trotzdem leistungsstarke Motor, der hochwirksame "Bienenwabenkühler", der niedrige Schwerpunkt und der lange Radstand. Die Fahrzeugform, die Ende des 19,. Jahrhunderts aufgrund dieser Neuerungen entsteht, prägt fortan das Aussehen des Automobils.

"Das erste moderne Automobil"

Fahrzeuge aus den Nuller-Jahren (1905, 1908, 1909, 1904 - von links nach rechts)
Der Mercedes Simplex 40 PS ist der älteste noch erhaltene Mercedes. Er ist der direkte Nachfolger des von Wilhelm Maybach konstruierten Mercedes 35 PS, das als das erste moderne Automobil der Welt galt. Der Namenszusatz "Simplex" verweist auf die aus damaliger Sicht einfache Handhabung des Fahrzeugs.
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1902 Mercedes Simplex 40 PS. Motor 4 Zylinder, 6785 cm³, 40 PS (29 kW) bei 1100 U/min, Höchstgeschwindigkeit: 80 km/h
Der Mercedes Simplex 60 PS wird 1903 das Topmodell des Mercedes-Programms. Als leistungsstärkster Wagen der Daimler-Motoren-Gesellschaft ist er auch im Rennsport erfolgreich, allerdings mit kürzerem Radstand und anderer Karosserie. Das ausgestellte Fahrzeug besaß Emil Jellinek, der es 1904 erwarb und später mit einer luxuriösen Reisewagen-Karosserie versehen ließ.

1904 Mercedes-Simplex 60PS Reiselimousine. Motor: 4 Zylinder, 9236 cm³, 60 PS (44 kW) bei 1400 U/min. Höchstgeschwindigkeit: 80 km/h
Der Benz 18 PS ist das Nachfolgemodell des Benz "Parsifal" 16/20 PS von 1903. Die Parsifal-Modellreihe war die Antwort von Benz & Cie auf die Erfolge der Mercedes-Modelle aus Cannstatt, an deren moderneren Formen sie sich orientiert. Die neue Generation Benz-Fahrzeuge löst die alten, hochbeinigen Modelle ab.

1905 Benz 18 PS Doppelphaeton. Motor: 4 Zylinder, 3160 cm³, 18 PS (13 kW) bei 1400 U/min. Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h
Der Mercedes 75 PS ist das erste Serienautomobil der Daimler-Motoren-Gesellschaft mit Sechszylindermotor. Das Topmodell der Jahre 1907 bis 1911 wird in verschiedenen Karosserievarianten angeboten. Das ausgestellte Fahrzeug ist ein offener Tourenwagen (Phaeton) mit zwei Sitzreihen - eine Ausführung, die auch "Doppelphaeton" genannt wird.
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1908 Mercedes 75 PS Doppelphaeton. Motor: 6 Zylinder, 10180 cm³, 75 PS (55 kW) bei 1300 U/min. Höchstgeschwindigkeit: 95 km/h
Die Typenbezeichnung 20/35 PS stellt der eigentlichen Motorleistung - wie von 1909 an üblich - die sogenannten "Steuer-PS" voran. Diese geben die hubraumabhängige Steuerklasse an. Ein deutsches "Steuer-PS" entspricht 262 cm³ Hubraum. Die Karosseriebezeichnung "Landaulet" verweist auf ein Faltverdeck über den Rücksitzen.

1909 Benz 20/35 PS Landaulet. Motor: 4 Zylinder, 5195 cm³, 35 PS (26 kW) bei 1400 U/min. Höchstgeschwindigkeit: 75 km/h
Wir machen einen Abstecher in die "Galerie der Reisen" (Das Museum verfügt zusätzlich über 5 Galerien, in denen Fahrzeuge ausgestellt sind, die thematisch zusammen gehören, unabhängig von der jeweiligen Epoche in der sie gebaut wurden)
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(1885
- 1909)
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(1922
- 1960)
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(1960
- 2001)
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(inkl.
Rennwagen)
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